Medizin statt Bürokratie
Marburger Bund fordert spürbare Entlastung für Kliniken
Der Marburger Bund unterstützt den Vorstoß von Gesundheitsminister Andreas Philippi und Niedersächsischer Krankenhausgesellschaft – NKG für einen spürbaren Bürokratieabbau in Krankenhäusern. Philippi und NKG haben die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann begrüßt, zügig ein Bürokratieabbaugesetz auf den Weg bringen zu wollen. Der Ärztinnen- und Ärzteverband fordert, den Ankündigungen nun konkrete Maßnahmen folgen zu lassen.
Die MB-Vorsitzenden Hans Martin Wollenberg (links) und Andreas Hammerschmidt /rechts) machen sich für Bürokratieabbau stark
„Mit dem letzten MB-Monitor haben wir gezeigt: Rund ein Drittel des niedersächsischen Ärztinnen und Ärzte verliert täglich vier Stunden oder mehr durch administrative Tätigkeiten. Diese Zeit fehlt uns für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten“, hebt Hans Martin Wollenberg, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen, hervor. „Deshalb begrüßen wir, dass Niedersachsen beim Bürokratieabbau Druck macht. Jetzt müssen daraus konkrete Entlastungen werden, die auf den Stationen auch ankommen.“
Der Marburger Bund Niedersachsen fordert, Dokumentations- und Nachweispflichten konsequent auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen, Mehrfacherfassungen abzubauen und Prüfverfahren stärker auf Stichproben und tatsächliche Risiken auszurichten. Das gilt auch für den Medizinischen Dienst: Doppelprüfungen und unnötige Nachweise müssen vermieden, Meldewege und administrative Verfahren vereinfacht werden.
„Bürokratie entsteht an vielen Stellen. Auch die Krankenhausträger müssen ihre Abläufe kritisch prüfen und Aufgaben so verteilen, dass Ärztinnen und Ärzte sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können“, betont Andreas Hammerschmidt, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen.
Besonderen Handlungsbedarf sieht die niedersächsische Ärztinnen- und Ärztegewerkschaft bei der Digitalisierung. Im letzten MB-Monitor bewerteten mehr als 60 Prozent der niedersächsischen Krankenhausärztinnen und -ärzte ihre IT-Ausstattung als unzureichend. Fast 50 Prozent berichteten von häufigen Mehrfacheingaben identischer Daten.
„Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wenn Ärztinnen und Ärzte Daten mehrfach eingeben oder Informationen zwischen nicht kompatiblen Systemen übertragen müssen, ist nichts gewonnen“, macht Hammerschmidt deutlich. „Digitalisierung muss uns Arbeit abnehmen, anstatt neue zu schaffen.“
Für Wollenberg ist der Bürokratieabbau deshalb auch eine Frage des sinnvollen Umgangs mit knappen personellen Ressourcen: „Wir brauchen Ärztinnen und Ärzte am Krankenbett und nicht vor immer neuen Formularen und Eingabemasken. Jede unnötige Stunde am Computer ist eine Stunde, die uns für die Medizin fehlt.“
Ute Micha, Predino / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos Thomas Lohnes


