Niedersächsischer KinderHabenRechtePreis verliehen:

Sozialministerium und Kinderschutzbund zeichnen Projekte für Kinderrechte aus

 

Mit dem KinderHabenRechtePreis 2026 werden unter dem Motto: „Ich kenne meine Rechte“ jährlich Aktionen und Initiativen ausgezeichnet, die sich um Kinderrechte verdient machen.

Der Preis ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert. Er wird in vier Kategorien mit jeweils 3.000 Euro verliehen.

Bei der Preisverleihung am 26. September 2026 in Hannover wurde eine Initiative zusätzlich ausgezeichnet. Sie steht für die „Volljährigkeit“ des Projektes im 18. Jahr.

 

Schirmherr Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, betont: „Wir in Niedersachsen wollen dazu beitragen, dass Kinderrechte und Kinderschutz in der Öffentlichkeit einen hohen Stellenwert einnehmen. Dies gelingt am besten mit engagierten Menschen, die in Projekten und Initiativen Kindern eine Stimme geben, ihnen als Vorbild dienen und ihnen ihre Rechte auf Augenhöhe vermitteln.“

 

Ismail Giannattasio, Vorstandsmitglied vom Kinderschutzbund Niedersachsen, sagte: „Die Auswahl war wieder eine große Herausforderung. Uns beeindruckt das große – oft ehrenamtliche – Engagement und die vielen Möglichkeiten, die Kinderrechte mit Leben zu füllen.“

Die Preisverleihung in Hannover im Haus der Jugendwurde von einem Rahmenprogramm des Kinderzirkus Salto  begleitet. 

 

Ausgezeichnet wurden:

 

Kategorie: Kindertagesstätte (Kinder von 1 bis 6 Jahre)

Titel: „Unsere Rechte sind bunt“ AWO Kita Wendschott

Kinderrechte und Kita – das gehört zusammen. Die meisten Einrichtungen machen dazu Aktionen, auch in diesem Jahr gab es zahlreiche Einsendungen. Die AWO Kita Wendschott beeindruckte mit einem Projekt, das über zwei Monate dauerte. Gemeinsam wurde zu Kinderrechten gearbeitet und das Erfahrene anschließend kreativ umgesetzt. Dort ist eine anschauliche Leinwand entstanden, die nun unübersehbar für jede und jeden sowie dauerhaft das „Gesicht“ der Kita prägt. Mit einer Vernissage wurden Eltern und Gäste einbezogen. Aus der Präsentation ergeben sich Nachfragen und Diskussionen. Auch die Stadtbibliothek hat Interesse an der Aktion bekundet. Besonders wertvoll: Die Kinder waren nicht (nur) Zielgruppe, sondern Macherinnen und Macher, denn Mitbestimmung und Beteiligung standen im Mittelpunkt. Mit einem selbst verfassten Kinderrechtelied – einem regelrechten „Ohrwurm“ – tragen sie die Kinderrechte immer wieder vor. Eine Idee, die inspiriert und vielleicht besonders im Verbund der AWO aufgegriffen wird.

 

Kategorie: Offene Kinder- und Jugendarbeit

(Kinder von 6 bis 13 Jahre)

Titel: „Gut getroffen!“ Spielpark Linden der LH Hannover

Der Spielpark Linden ist für Kinder eine Anlaufstelle, die sie in ihrer Freizeit nutzen. Angebote der „offenen Kinder- und Jugendarbeit“ sind wichtige Lernorte außerhalb von Schule. Sie fördern die Entwicklung von Gemeinschaft. Sie ermöglichen das Lernen mit anderen. Besonders der unkomplizierte Zugang zum Spielpark sowie die regelmäßige pädagogische Begleitung wirken nachhaltig positiv auf die Entwicklung der Kinder. Bei „Gut getroffen!“ handelt es sich um ein Comicheft, das dort im Rahmen eines Workshops über Kinderrechte entstanden ist. Die Kinder haben das Thema „Gewalt“ ausgewählt und dargestellt, was sie dazu erleben und wie es sie in ihrem Alltag beschäftigt. Das Heft ist ein altersgemäß attraktives Medium. Gestaltung und Produktion begleitete ein Team. Eine Auflage von 2.000 Stück wurde in Hannover breit verteilt und hat bereits Kinder und Organisationen in der ganzen Stadt erreicht. So hilft es dabei, mögliche Grenzverletzungen oder Übergriffe aus der Tabuzone zu holen. Es hat auch nationale Aufmerksamkeit bekommen und ist mit dem Deutschen Kinder- und Jugendpreis ausgezeichnet worden.

 

Kategorie: Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Jahrgänge, Projekt: „RESPEKT, Digga – Stark ohne Gewalt“, vom Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) für Hannover und Umgebung e.V.

5.000 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren haben 'RESPEKT, Digga – Stark ohne Gewalt' erlebt. Das interaktive Theaterstück zur Gewaltprävention wurde vom TPZ Hannover in Zusammenarbeit mit dem Jugendschutz / Streetwork der LHH entwickelt. Es wird regelmäßig von drei Theaterpädagoginnen an den weiterführenden Schulen in der Region Hannover durchgeführt. Dabei sind die Kinder als aktive Zuschauerinnen und Zuschauer sowie als Regisseurinnen und Regisseure eingebunden. Sie können in den Verlauf der Konfliktszenen, die sie oft aus ihrem Alltag kennen, eingreifen und das Ende mitbestimmen. Wie sollte ein Konflikt gelöst werden? Wie sollte sich eine unbeteiligte dritte Person verhalten? An einem darauffolgenden Tag wird in einem Workshop das Erlebte nachgearbeitet, die Themen und Szenen werden reflektiert und pädagogisch aufgearbeitet. Dieser partizipative und ganzheitliche Ansatz beeindruckt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer oft so stark, dass sie sich immer wieder bei aufkommenden Konflikten in ihren Klassen auf die Lösungsansätze berufen.

 

Kategorie: Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahre

Titel: „Fitness im Viertel“ Cluster e.V. Hildesheim

Der Verein Cluster e.V. betreibt eine ehemalige Werkstatthalle in der Hildesheimer Nordstadt, einem sogenannten Brennpunktviertel. Zur Sportstätte umfunktioniert ist der Raum Begegnungsstätte junger Menschen sowie Anlaufstelle für soziale und sportpädagogische Jugendarbeit. Cluster möchte jungen Menschen Raum im doppelten Sinn geben: In materieller Hinsicht, indem Jugendliche sich sportlich auslasten können, aber auch in sozialer und psychologischer Hinsicht, indem sie Unterstützung und Begleitung erhalten, zunächst durch kostenlose Bewegungs- und Sportangebote. Als Ergänzung zu diesem ungezwungenen sportlichen Zugang können auf freiwilliger Basis sozialpädagogische Beratung und lebenspraktische Unterstützung in Anspruch genommen werden. Die Vermittlung in bestehende Jugendhilfeangebote und weiterführende soziale Projekte wird ebenfalls ermöglicht. Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen unter Druck stehen, finden hier eine Anlaufstelle. Sie werden beim Erwachsenwerden in unserer Gesellschaft begleitet.

 

Die Jury gratuliert allen ausgezeichneten Initiativen.

 

Die Jury 2026:

  • Als Experte: Dieter Gerdes, Diplom-Pädagoge
  • Vom Niedersächsischen Landesschüler*innenrat: Theo Büdden
  • Für den Kinderschutzbund Niedersachsen: Ismail Giannattasio (Vorstand) und Jugendrat


Zum 18. Mal vergeben das Land Niedersachsen und der Kinderschutzbund Landesverband Niedersachsen den Niedersächsischen KinderHabenRechtePreis. Damit sollen die 2009 in die Landesverfassung aufgenommenen Kinderrechte bekannter gemacht und Initiativen, die sich für Kinderrechte einsetzen, als Best-Practice-Beispiele verbreitet werden.

 

Und seit 5. April 1992 gilt in Deutschland die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. 193 Länder haben diese Übereinkunft über die Rechte der Kinder mittlerweile unterzeichnet, sie gilt damit für nahezu zwei Milliarden Kinder der Erde! Die Kinderrechtskonvention enthält eigenständige Grundrechte der Kinder und signalisiert so, dass nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern mit Respekt zu begegnen ist. Für das tägliche Leben heißt dies, dass alle Kinder in ihren Belangen, mit ihren Interessen und Bedürfnissen wahrgenommen werden sollen. Kinder brauchen ein gesellschaftliches Klima, in dem sie willkommen sind und sich anerkannt fühlen können.

 

Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie