Um Deutschlands Krankenhäuser steht es schlecht
Ein Drittel der Kliniken insolvenzgefährdet
Rund 80 Prozent der Deutschen Krankenhäuser schreiben aktuell rote Zahlen. Nun stellt der Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft Forderungen an die Bundesregierung.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Landkreistag haben vor einem weiteren Klinik-Sterben gewarnt und eine Verlängerung der Finanzhilfen gefordert. Denn über ein Drittel der Häuser in Deutschland "ist von Insolvenz bedroht", so der DKG-Vorsitzende Gerald Gaß in der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Gaß schlug vor, eine höhere Zuzahlung der Patientinnen und Patienten pro Tag - diese sei seit Einführung 2004 nicht mehr erhöht worden.
Rund 16 Prozent der Kliniken seien insolvenzgefährdet, weitere 21 Prozent könnten folgen, sagte der Vorsitzende der DKG der "Rheinischen Post" und stufte die Lage als ernst ein. Denn "aktuell schreiben 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen", sagte Gerald Gaß.
Nun fordert der DKG-Vorsitzende vor diesem Hintergrund Bundesinnenministerin Nina Warken (CDU) auf, die Finanzhilfen zu verlängern. Im November 2026 solle die staatliche Ausgleichszahlung wegfallen, die der Bund den Krankenhäusern zur Stabilisierung der finanziellen Lage seit November 2025 gewährt. "Wir appellieren an Bundesministerin Warken, diese Hilfe zu verlängern", so Gaß. Es gehe um vier Milliarden Euro.
Auch der Präsident des Deutschen Landkreistages schlug Alarm wegen der wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser. "Besonders betroffen sind unter anderem Häuser mit kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern", sagte Achim Bötel ebenfalls der "Rheinischen Post". Auch den kommunalen Häusern gehe es "richtig schlecht, weil wir als Träger einen Defizitausgleich in der momentan erforderlichen Höhe schlicht weg nicht mehr leisten können".
Allein die Landkreise hätten von 2023 bis 2025 rund 25 Milliarden Euro aufgebracht, um die Verluste ihrer Kliniken auszugleichen. Nun fordert Gerald Gaß, Patientenzuzahlungen zu erhöhen! Und Achim Brötel forderte, die Krankenhausreform nachzubessern und Vorsorgepauschalen nicht mehr fallabhängig zu zahlen. "Wir brauchen eine fallzahlungsunabhängige Vorhaltevergütung", sagte er. Alles andere führe nur zu einem unkontrollierten Kliniksterben gerade im ländlichen Raum.
Und Gaß schlug vor, die Patientenzuzahlungen von derzeit zehn Euro auf 15 Euro pro Tag zu erhöhen. Die Zuzahlung sei 2004 eingeführt und seitdem nicht mehr erhöht worden, sagte er der "Rheinischen Post". Er verwies darauf, dass es hier eine Härtefallregelung gebe und eine Begrenzung auf maximal 28 Euro zu zahlende Kliniktage pro Jahr.
Die gesetzlichen Krankenkassen forderten unterdessen, an den gerade erst beschlossenen Änderungen der Krankenhausreform festzuhalten. Hier sei ein "tragfähiger Kompromiss" zwischen Bund und Ländern gefunden worden und nun versuchten einige Bundesländer, diesen "nachträglich wieder aufzuschnüren", kritisierte die Vize-Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis.
Der Bundestag hatte Anfang März längere Fristen für den Umbau der Kliniklandschaft und Ausnahmeregeln insbesondere für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum beschlossen. Bei der Finanzierung stellt der Bund den Ländern zudem mehr Geld zur Verfügung als in der ursprünglichen Reform geplant.
Kernstück der Reform, die noch von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stammt, ist eine stärkere medizinische Spezialisierung der Kliniken. Vor allem die kleineren Kliniken sollen weniger Leistungen anbieten. Das nährte die Sorge in den Ländern, dass dort viele Krankenhäuser im ländlichen Raum schließen müssen. Am 27. März stimmt der Bundesrat über die Reform ab.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Foto Matthias Falk, hannover_fotografie
