"RÄUME NEU ENTDECKEN"

Der erste City Roof-Walk ist endlich fertig

 

  Der erste City-Roof-Walk ist endlich fertig und er residiert auf dem Parkhaus Schmiedestraße. Jetzt ist ein kleiner Park entstanden und zur Eröffnung drehte eine Drohne eine kurze Runde über dem Parkhausdach. In den nächsten Tagen werden sich hier Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten tummeln. Das wünscht sich Hannovers Oberbürgermeister, Belit Onay (Grüne) auch. Der City Roof-Walk ist seit ein paar Tagen fertig und begehbar.

  Initiator Ronald Clark sagte: "Eigentlich war es nur eine meiner verrückten Ideen", bei der kleinen Feier. Der ehemalige Herrenhausen Gartendirektor hatte bereits 2017 den Vorstoß gewagt, eine Begrünung der zahlreichen tristen Innenstadtdächer Hannovers anzustoßen, am besten verbunden mit Brücken und Stegen. Jetzt ist der erste Baustein auf dem Dach des Altstadt-Parkhauses Schmiedestraße gelegt. "Ich bin begeistert", sagte Clark bei der Begehung - niemand widersprach ihm!

  Im Sommer heizen sich diese riesigen Dächer stark auf und tragen zur Erwärmung der Innenstadt bei. Zudem fließt das Regenwasser von solchen Flächen ungebremst ab und belastet die Kanalisation immens. Das soll sich jetzt ändern, 1 800 von knapp 2 500 Quadratmetern Fläche sind neu begrünt. Dazu finden sich auf 650 Quadratmetern geschwungene Spazierwege, Parkbänke sowie eine Spielfläche.

  Das Konzept begeisterte den Bund, so dass er 2,7 Millionen Euro Zuschuss zu dem rund 3,3 Millionen Euro teuren Projekt spendierte. "Ich hoffe, dass Hannover viele andere Städte inspiriert, ihre Dächer als wertvolle Chance und als Schlüssel für urbane Klimaanpassung zu begreifen", hatte Staatssekretär Sören Bartol aus dem Bundes-Bauministerium im Februar beim Baustart gesagt.

  Das denkmalgeschützte Parkhaus ist Eigentum der kommunalen Gesellschaft Hanova. Und deren Chef Karsten Klaus hob hervor, dass das Projekt zwei Aspekte vereine: zum einen sei solch ein Gründach ein wichtiger Beitrag zur Klimafolgeanpassung. "In diesem Sommer konnten wir sehen, wie wichtig es ist, dass Städte resillient werden gegen Hitze", so Klaus. Und zum anderen gehe es um Stadtentwicklung, weil aus schlecht genutzten Autoabstellflächen eine grüne Oase mitten in der Stadt werde. Und Hannover liefere derzeit tolle Beispiele dafür, wie Innenstädte sich verwandeln, so Klaus: von der Leinewelle bis zum Umbau des Horten-Kaufhof-Gebäudes gegenüber der Schmiedestraße. "Auch hier merken wir, was möglich ist, wenn wir Räume neu denken", resümierte OB Belit Onay und sprach von einem "Kleinod mitten in der Stadt", an dem Menschen sich künftig untereinander sowie der Natur begegnen könnten.

  Dass es von der Idee bis zur Umsetzung neun Jahre gedauert hat, liegt nach Einschätzung von Clark nicht nur am Geld, sondern auch daran, "dass es jemand braucht, der anpackt". Das habe der Fachbereich Umwelt vorbildlich getan, anstatt immer nur zu betonen, was nicht geht!

  Das Parkhausdach ist tagsüber geöffnet. Und Clark hofft, dass nun bald viele Innenstadt-Immobilienbesitzer dem Vorbild folgen und Flächendächer begrünen. Gut 200 000 Quadratmeter Potential gebe es, hat Clark errechnet.


Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie