Künstler Timm Ulrichs ist tot: Er gilt als Pionier der Konzeptkunst
Er tätowierte sich "The End" auf sein Augenlid
Timm Ulrichs posierte nackt als menschlicher Blitzableiter und ließ sich seinen eigenen Grabstein meißeln. Jetzt ist der Pionier der Konzeptkunst tot. Er lebte in Hannover und Berlin.
Ulrichs galt als eine der bedeutendsten Figuren der zeitgenössischen Kunst. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren, teilte der Kunstverein Hannover mit. Seine Witwe hat dem Kunstverein Ulrichs Tod bestätigt.

Timm Ulrichs (†) neben Teresa Solar Abbouds Tunnel Boring Machine (Atlantic Ridge Multiplicity), 2025, in Self-Portrait as a Pregnant Woman, Kunstverein Hannover, 2025, beim Neujahrsempfang des Kunstvereins Hannover, Januar 2026. Foto: Andre Germar.
Der Künstler hat mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Kunst "mit provokanten Arbeiten voller Entschlossenheit" geprägt. Er war einer der wenigen Pioniere, der konsequent an die Kraft der Kunst glaubte, mit ihr rang und sie händisch dann zu den Menschen brachte." Stets blickte Ulrichs mit Humor und spöttischer Distanz auf die Welt. Er hat eine ganze Generation geprägt.
Der emeritierte Professor der Kunstakademie Münster, der in Hannover und Berlin lebte, galt als Pionier der Konzeptkunst. Timm Ulrichs, gebürtiger Berliner, wuchs im Oldenburger Land auf. Ulrichs schuf die Skulptur "Kopf-Stein-Pflaster", die sich am Schiffgraben in Hannover befindet.
Ulrichs erklärte einst sein Leben zur Kunst. Anfang der 1960er-Jahre ließ er sich auf sein rechtes Augenlid die Worte "The End" tätowieren - als Abspann für seinen Tod und gleichzeitig letzten Film. Auch ließ er sich seinen eigenen Grabstein meißeln und rannte nackt als "menschlicher Blitzableiter" mit einer fünf Meter langen Metallstange auf einem Feld herum. Kam ziemlich durchgeknallt an! Aus r aus Beton-Abgüssen seines eigenen Schädels schuf er ein "Kopfsteinpflaster". Im neuen VGH-Gebäude in der Arnswaldstraße spiegelt ein Farbmosaik "Die Lieblingsfarben der "Niedersachsen" wieder. Er sagte dazu, es ginge nicht um die Stärkung des Wir-Gefühls der Niedersachsen, sondern über die Reflektion der Farbe an sich
"Ich kann keine Kunst mehr sehen!" war einer seiner frühen Geniestreiche: Ulrichs hat sich selbst ein Schild mit dieser Inschrift vor die Brust gehalten und sich mit Blindenstock und dunkler Brille fotografieren lassen. Es wurde sein wohl bekanntestes Werk.
Zuletzt hatte der Künstler dem Kunstverein, in dem er selbst lange Mitglied war, 50 Arbeiten geschenkt, um neue Mitglieder zu werben. "Wir trauern um einen herausragenden, ausdauernden, eigensinnigen, extrem entschiedenen, meinungsstarken Künstler, vielleicht einen der letzten, dem es immer um die Sache der Kunst, um das kritische Potential der Kunst ging", sagte Christoph Platz-Gallus, Direktor des Kunstvereins Hannover.
Ute Micha, PreDiNo/Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Kunstverein Hannover
