Bitte nicht anfassen! Wildkätzchen im Wald lassen

Europäische Wildkatzen werden häufig mit Hauskatzen verwechselt


Im Frühjahr werden in vielen Wäldern Niedersachsens wieder junge Europäische Wildkatzen gesichtet. Die gute Nachricht: Die einst seltene Art kehrt vielerorts wieder zurück. Gleichzeitig wächst jedoch eine neue Gefahr: Immer wieder werden Wildkatzenjungtiere von Spaziergängerinnen und Spaziergängern mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen. Das kann jedoch tödliche Folgen haben, deswegen appelliert BUND eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen!

Süß! Wildkatzenbaby, Foto Stefan Eschweiler


Andrea Krug, Wildkatzen-Expertin des BUND Niedersachsen: „Die Wildkatze breitet sich in Niedersachsen langsam in Richtung Norden aus und erobert verlorengegangene Lebensräume zurück. Inzwischen werden auch Meldungen aus der Lüneburger Heide und dem Wendland häufiger. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz“.

Wildkatzen sind echte Wildtiere und ihre Anwesenheit gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder. Sie sehen graugetigerten Hauskatzen ähnlich. Und das alleinerziehende Muttertier lässt seine Jungen während der Mäusejagd im Versteck zurück. Werden die neugierigen Jungtiere beim Spielen entdeckt, wirkt es oft so, als seien sie hilflos verlassen.

Krug erläutert: „Was gut gemeint ist, hat oft dramatische Konsequenzen für die Tiere: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren. Insbesondere in Regionen mit kleinen oder noch instabilen Beständen kann jede Entnahme die Ausbreitung der Wildkatze gefährden.“

Krug bittet: „Wenn Sie vermeintlich verlassene Jungtiere finden, entfernen Sie sich leise. Prüfen Sie nach etwa sechs bis zwölf Stunden, ob die Kätzchen noch da sind. Wenn die Kätzchen offensichtlich in Not sind, rufen Sie das BUND-Notfalltelefon, die untere Naturschutzbehörde oder eine örtliche Wildtierauffangstation an.“ Jungtiere befinden sich in Not, wenn sie beispielsweise verletzt sind oder laut schreiend Waldbesucherinnen und -besucher hinterherlaufen. Wildkatzen sind deutschlandweit streng geschützt. Die Mitnahme von Jungtieren aus der freien Natur und ihre Haltung in Privathaushalten ist daher verboten“.

Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der BUND Informationsmaterial, Videos und einen Handlungsleitfaden zur Verfügung. Diese zeigen, wie Wild- und Hauskatzen unterschieden werden können und was im Ernstfall zu tun ist.

Das Notfalltelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda:
ist täglich von 10 bis 18 Uhr unter: 036254 / 86 51 80 erreichbar.

 

BUND-Informationsmaterial:


Weitere Informationen: 
www.bund-niedersachsen.de/wildkatze

 

Ute Micha.PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Titelfoto Thomas Stephan