Artenvielfalt auf dem Acker:

Insektenwall schafft neuen Lebensraum
Im Biodiversitätsprogramm setzen 90 Betriebe

auf 241 Hektar Maßnahmen um


Ein begrünter Wall mitten im Acker als Rückzugsort für Wildbienen, Laufkäfer und Co.: Auf einer landwirtschaftlichen Fläche südlich von Weetzen zeigt sich, wie Artenvielfalt und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können. Der Betrieb Burchard aus Linderte hat dort einen sogenannten Insektenwall angelegt. Die Maßnahme ist Teil des Biodiversitätsprogramms, das die Region Hannover seit 2018 gemeinsam mit dem Landvolk Hannover und der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen umsetzt. In diesem Jahr stellen 90 landwirtschaftliche Betriebe insgesamt 241 Hektar Fläche zur Verfügung. Die Region stellt wie in den Vorjahren - vorbehaltlich des Beschlusses der Regionsversammlung am 6. Oktober - 300.000 Euro für das Programm zur Verfügung.
 
„Artenvielfalt in unserer Agrarlandschaft können wir am besten gemeinsam mit den Menschen stärken, die diese Flächen bewirtschaften. Genau darauf setzt unser Biodiversitätsprogramm“, sagt Jens Palandt, Erster Regionsrat und Umweltdezernent der Region Hannover. „Die Region schafft den finanziellen Rahmen. Landwirtschaft und Naturschutz entwickeln gemeinsam Lösungen, die ökologisch etwas bewirken.“

Beteilgen sich am Programm (v. l.): Arnd von Hugo, Vorsitzender des Landvolks Hannover, Björn Rohloff, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen, Astrid Garben-Mogwitz, Vorsitzende der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen, Joachim Hasberg, stellvertretender Geschäftsführer des Landvolks Hannover, Jens Palandt, Umweltdezernent der Region Hannover, Lukas Burchard, Landwirt aus Linderte, Anton Sartisohn, Projektmanager der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen

 

Mit dem Biodiversitätsprogramm fördert die Region Hannover Naturschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Sie sollen zusätzliche Lebensräume und Nahrungsangebote für Tiere und Pflanzen schaffen. Die Maßnahmen werden freiwillig von den Betrieben umgesetzt. Diese stellen Flächen bereit, passen ihre Bewirtschaftung an oder verzichten auf einen Teil des möglichen

Ertrags und erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich.
 
Getreidestreifen werden bei der Ernte stehen gelassen und erst nach dem Winter wieder bewirtschaftet. Feldhamster, andere Säugetiere sowie überwinternde Vogelarten finden dort auch in der nahrungsarmen Jahreszeit Nahrung und Deckung.
 
Feldvogelinseln sind Heimstätten für Feldlerchen, und dafür werden mitten im Getreideacker größere Bereiche bei der Aussaat freigelassen oder später wieder geöffnet und während der Brutzeit nicht bewirtschaftet. Diese Flächen bieten den am Boden brütenden Vögeln geeignete Bereiche für Nahrungssuche und Brut.

Die Inseln sind im Programm mindestens 1.000 und höchstens 2.000 Quadratmeter groß.
 
Kiebitzinseln werden dort eingerichtet, wo Kiebitze aktuell brüten oder im Vorjahr gebrütet haben. Die 3.000 bis 5.000 Quadratmeter großen Bereiche bleiben während der Brut- und Aufzuchtzeit unberührt. Auch ein kurzfristiger Einstieg in die Förderung ist möglich, wenn ein aktuelles Brutgeschehen festgestellt wird.
 
„Es gibt nicht die eine Maßnahme, die überall passt“, sagt Björn Rohloff, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen. „Wir schauen uns die jeweilige Fläche und die dort vorkommenden Arten an und überlegen gemeinsam mit dem Betrieb, welche Maßnahme sinnvoll ist. Entscheidend ist die Kombination unterschiedlicher Strukturen. Blühangebote, Rückzugsräume und geeignete Brutflächen ergänzen sich und machen die Agrarlandschaft vielfältiger.“

Die Entwicklung der Bestände ausgewählter Arten in der Region Hannover zeigt positive Tendenzen. Nach Ergebnissen der Wildtiererfassung ist die Feldhasenpopulation zwischen 2019 und 2024 um 20 Prozent gestiegen. Beim Rebhuhn wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg um 80 Prozent verzeichnet – entgegen dem Landestrend, bei dem die Population stagniert.

Auch Kontrollen bei einzelnen Maßnahmen zeigen, dass die geschaffenen Lebensräume angenommen werden: So wurden bei einer früheren Auswertung mehr als 75 Prozent der angelegten Feldlerchenfenster als Brut- oder Nahrungshabitat genutzt.

Diese Entwicklung hat viele Ursachen. Die positiven Zahlen zeigen aber, dass gezielte Maßnahmen für mehr Artenvielfalt wirken können – auch dank des Engagements der landwirtschaftlichen Betriebe im Biodiversitätsprogramm.


Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Bildnachweise: Philipp Schröder / Region Hannover / Drohnenfoto Titel Anton Sartison