ZWISCHEN WIRKLICHKEIT UND TRAUM
OTTO GLEICHMANN
UND DER EXPRESSIONISMUS IN HANNOVER
Wiederentdeckung eines hannoverschen Expressionisten: Otto Gleichmann vom 1.8. bis 1.11. 2026 im Sprengel Museum Hannover.
In den Fokus der umfassenden Retrospektive rückt das Sprengel Museum den nahezu vergessenen Expressionisten Otto Gleichmann (1887-1963). Sein Werk wurde zuletzt 2001 in Hannover präsentiert.
Nun zeigt die Ausstellung rund 110 Werke aus nahezu fünf Jahrzehnten, kontextaktualisiert mit Bildern seiner Frau Lotte Gleichmann-Giese und bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern aus dem hannoverschen expressionistischen Umfeld seiner Zeit.
Gleichmann zählt zur späteren Generation des deutschen Expressionismus und war Mitglied der Gruppe der Hannoverschen Sezession. Trotz seiner öffentlichen Präsenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist er heute nahezu vergessen.
Das Werk Gleichmanns zeichnet sich durch eine eigenständige expressionistische Bildsprache aus. Denn seine Bilder bewegen sich zwischen der Darstellung realer Erfahrungen - etwa des Ersten Folgen des Weltkrieges - oder des modernen Großstadtlebens und zerrütteten Innenwelten der dargestellten Figuren, ausgedrückt in dunklen Farben, verzerrten Proportionen sowie rätselhaften Bildwelten.
Abb. links: Otto Gleichmann,, Portraät: Hans Koch,1919, Öl auf Baumwolle; © Nachlass Otto Gleichmann und Lotte Gleichmann-Giese, Anna-Charlotte und Herm Jan Kingeling-van Wije; Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover;
Abb. rechts: Otto Gleichmann, Selbstportärt. Originalzeichnung für Lithographie, 1922, Schenkung Gunda-Anna Gleichmann-Kingeling; © Nachlass Otto Gleichmann und Lotte Gleichmann-Giese, Anna Charlotte und Herm Jan Kingeling-van Wijhe; Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover
Bild links:Otto Gleichmann, Bitterer Karneval, 1925 , Öl auf Leinwand, Leihgabe Niedersächsisches Landesmuseum, Hannover; © Nachlass Otto Gleichmann und Lotte Gleichmann-Giese, Anna Charlotte und Herm Jan Kingeling-van Wijhe; Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover
Bild rechts: Otto Gleichmann, Bitterer Karneval, 1925 , Öl auf Leinwand, Leihgabe Niedersächsisches Landesmuseum, Hannover; © Nachlass Otto Gleichmann und Lotte Gleichmann-Giese, Anna Charlotte und Herm Jan Kingeling-van Wijhe; Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover 03 Porträt Otto Gleichmann vor seinem Gemälde „Strahlen Stürzen“, Repro: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover
Bei Gleichmann durchstreifen verwunschene Gestalten dichtgedrängte Städtelandschaften oder vergnügen sich in Varietès und im Zirkus.
Die Bilder von Otto Gleichmann sind Abbildung realer Erfahrungen wie etwa dem Ersten Weltkrieg oder dem Leben in der Großstadt und affektiven, ungegenständlichen Darstellungen dieser teils leidvollen Erfahrungen.
Und dieses Changieren „zwischen Wirklichkeit und Traum" zeigt Gleichmann durch verzerrte Projektionen, rätselhaften, düsteren Atmosphären und Figuren mit aufgerissenen, katzenartigen Augen.
Kuratorin Karin Orchard erläutert in der Ausstellung: „Mit großer Sensibilität und humanitärem Mitgefühl richtet Otto Gleichmann den Blick auf das innere Erleben und das Wesen des Menschen - nicht als Individuum, sondern als Typus der menschlichen Erfahrung mit Gefühlen der inneren Zerrissenheit zwischen Einsamkeit und Hoffnung."
Die Ausstellung kontextualisiert Gleichmanns Bilder mit Werken andere Künstlerinnen und Künstler, die in Hannover tätig bzw. ausgestellt waren wie: Max Beckmann, Otto Dix, Paul Klee, Emil Nolde, Kurt Schwitters, Käte Steinitz, Lyonel Feininger und Marianne von Werefkin.
Die hannoversche Avantgarde im Sprengel Museum Hannover: Die Ausstellung ist ein weiterer Baustein im Bestreben des Hauses, die Avantgarde des 20. Jahrhunderts in Hannover in den Blick zu rücken: Nach der umfassenden Überblicksausstellung "revonnaH" (2017), hatte das Sprengel Museum Hannover zuletzt mit Grethe Jürgens (2024) und Käte Steinitz (2025) zwei Protagonistinnen der Avantgarde in Hannover präsentiert, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Rampenlicht der Öffentlichkeit abgetaucht waren.
Und Direktor Reinhard Spieler freut sich über die wirklich groß angelegte Ausstellung: "Nach der Gleichmann-Ausstellung 1987 und 2001 möchten wir mit dieser retrospektiv angelegten Präsentation die Möglichkeit schaffen, dieses bedeutende expressionistische Werk von Otto Gleichmann, das in seiner Entstehungszeit weit über Hannover hinaus strahlte, neu zu entdecken."
Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung im Snoeck Verlag mit Beiträgen von Claudia Andratschke, Katharina Herrmann, Nora Niefanger, Karin Orchard und Petra Wenzel. Der Katalog wird gefördert durch die AKB-Stiftung. Er kostet: 39 Euro.
Ute Micha, PreDiNo/Sigrid Lappe, HaWo / Titelfoto : Matthis Falk, hannover-fotografie



