Werkzeugmaschinenbau: Aufwärtstrend bestätigt
Auftragseingang wächst im zweiten Quartal um zwölf Prozent
Die Erholung im deutschen Werkzeug-Maschinenbau zeichnet sich ab. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12 Prozent. Und nach einem Plus von 15 Prozent im ersten Quartal ergibt sich für das erste Halbjahr ein Zuwachs von 14 Prozent. Die Inlandsbestellungen legten um 16 Prozent zu, die Aufträge aus dem Ausland um 13 Prozent.

Im Werkzeugmaschinenbau setzt sich der Positivtrend auch im 2. Quartal fort: Die Auftragseingänge stiegen um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW.
„Zwei Quartale in Folge mit einem zweistelligen Auftragsplus sind ein ermutigendes Signal. Die Talsohle liegt hinter uns und die Aufwärtsentwicklung festigt sich“, kommentiert Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW (Foto oben). „Für Entwarnung ist es dennoch zu früh. Wir kommen von einem niedrigen Ausgangsniveau, und das Projektgeschäft trägt weiterhin wesentlich zum Wachstum bei, von einer breiten Nachfrageerholung können wir deshalb nur eingeschränkt sprechen.“
Die Entwicklung ist unterschiedlich in den Abnehmerbranchen. Besonders dynamisch zeigen sich Luftfahrt und Verteidigung. Auch die Nachfrage aus der Elektronikindustrie und der Medizintechnik wird positiv beurteilt. Schwieriger bleibt die Situation in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau. Die größten Herausforderungen liegen weiterhin in der Automobil- und Zulieferindustrie, ihr Anteil am Gesamtabsatz der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie ist 2025 auf 23 Prozent gesunken. Größter Abnehmer bleibt der Maschinenbau mit 27 Prozent. Deutlich zugelegt hat die Luftfahrtindustrie: Ihr Anteil stieg innerhalb von zwei Jahren um fünf Prozentpunkte auf 11 Prozent.
In der Produktion ist die Erholung bislang noch nicht angekommen. Im zweiten Quartal lag sie schätzungsweise sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im ersten Halbjahr sank die Produktion um sieben Prozent auf rund 5,9 Mrd. Euro. Die verbesserte Auftragslage dürfte sich jedoch im weiteren Jahresverlauf zunehmend in der Produktion bemerkbar machen, so der VDW
Auch im Exportgeschäft zeichnet sich die Tendenz zur Stabilisierung ab: Im zweiten Quartal lagen die Ausfuhren noch vier Prozent unter dem Vorjahr. Und damit hat sich der Rückgang gegenüber dem ersten Quartal deutlich abgeschwächt. Die USA bleiben dabei als größter Absatzmarkt eine wichtige Stütze der Branche. Die Lieferungen dorthin stiegen im ersten Halbjahr um acht Prozent. Dagegen gingen die Exporte nach China, dem zweitgrößten Absatzmarkt, um 24 Prozent zurück. Unternehmen berichten jedoch von einer Stabilisierung und leichten Belebung der chinesischen Nachfrage.
Angesichts des intensiven Preiswettbewerbs gewinnt für deutsche Hersteller mit eigener Produktion vor Ort das Prinzip „Local for Local“ weiter an Bedeutung.
In Europa gingen die deutschen Werkzeugmaschinenexporte im ersten Halbjahr um sechs Prozent zurück. Positiv entwickelte sich Frankreich mit einem Plus von 25 Prozent und rückte damit auf Rang drei der wichtigsten Absatzmärkte vor. Auch Polen und Tschechien sorgten für positive Impulse. Indien setzt seinen Wachstumskurs ebenfalls fort und ist mittlerweile der viertgrößte Absatzmarkt der Branche.
Die Entwicklung im Inland bleibt dagegen angespannt. Der Inlandsabsatz lag im ersten Halbjahr zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Positive Signale kommen aber von den gestiegenen Inlandsbestellungen. Aktuell belegen auch Konjunkturindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex eine verbesserte Stimmung in der Industrie. Die Importe hielten sich mit einem Minus von zwei Prozent besser als der Inlandsabsatz. Insbesondere japanische und südkoreanische Hersteller konnten ihre Verkäufe in Deutschland steigern. Insgesamt sank der Inlandsverbrauch um 6 Prozent und zeigt damit, dass die Investitionsschwäche am deutschen Markt noch nicht überwunden ist.
Die Kapazitätsauslastung hat sich zuletzt bei rund 75 Prozent stabilisiert. Gleichzeitig setzt sich der strukturelle Anpassungsprozess in der Branche fort. Im Juni beschäftigten die Unternehmen rund 60.000 Menschen und damit gut 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Produktion liegt real inzwischen rund ein Drittel unter den Hochphasen früherer Jahre. Bernhard Geis fasst zusammen: „Der Auftragseingang insgesamt zeigt nun seit einem halben Jahr in die richtige Richtung. Entscheidend ist jetzt, dass daraus eine nachhaltige Erholung wird.“
Hintergrund
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige und trägt maßgeblich zu Innovation und Produktivitätsfortschritt in der Industrie bei. Durch ihre absolute Schlüsselstellung für die industrielle Produktion ist ihre Entwicklung ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Industrie. 2025 produzierte die Branche mit durchschnittlich rund 64.500 Beschäftigten (Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern) Maschinen und Dienstleistungen im Wert von rund 13,8 Mrd. Euro.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Titelfoto: Im Exportgeschäft zeichnet sich die Tendenz zur Stabilisierung ab. Quelle: Adobe Stock / hit1912
