Timo Hoheisel wird mit dem
SPRENGEL PREIS 2027 ausgezeichnet
Reisestipendium NIEDERSACHSEN IN EUROPA der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen
Künstler plant eine Reise nach Polen auf den Spuren seiner Familiengeschichte
Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) zeichnen den in Dettum bei Wolfenbüttel lebenden Künstler Timo Hoheisel mit dem SPRENGEL PREIS 2027 aus.

Der SPRENGEL PREIS ist mit 12.500 Euro dotiert und mit dem Reisestipendium NIEDERSACHSEN IN EUROPA verknüpft, das weitere 12.500 Euro für Reisekosten, Unterkunft und Lebenshaltungskosten im Rahmen eines bis zu sechsmonatigen Auslandsaufenthaltes zur Verfügung stellt.
„Mit dem Reisestipendium ermöglichen wir jungen Künstlerinnen und Künstlern neue Perspektiven, europäische Vernetzung und internationale Erfahrungen. Timo Hoheisel verbindet hierbei in seinem Vorhaben persönliche Aspekte seiner Familiengeschichte mit den großen politischen und gesellschaftlichen Fragen unserer Geschichte und Gegenwart. Die künstlerische Verarbeitung davon können wir Ende des Jahres in einer Ausstellung im Sprengel Museum erleben. Dies zeigt: Mit dem SPRENGEL PREIS fördern wir künstlerische Exzellenz, die lebensnah zugänglich ist und die Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Demokratie unterstreicht“, sagt Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur.
Dr. Johannes Janssen, Stiftungsdirektor der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, ergänzt: „Timo Hoheisels Konzept für sein künstlerisches Reiseprojekt zeigt auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene, dass Themen wie Migration, Zugehörigkeit und Identität keine bloße Erscheinung unserer Gegenwart sind. Sie wirken sich über Generationen hinweg aus und hinterlassen ihre Spuren. Wir wünschen eine erkenntnisreiche Reise und sind gespannt auf die künstlerischen Ergebnisse seiner Recherche.“
Der Preisträger wurde von einer siebenköpfigen Jury vorgeschlagen, die ihre Wahl wie folgt begründet: „Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und das Land Niedersachsen zeichnen Timo Hoheisel aufgrund des Entscheids der Jury mit dem SPRENGEL PREIS 2027 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen aus. Damit wird dem Künstler das eingereichte künstlerische Forschungsprojekt ermöglicht, das ihn entlang der historischen Transitachse von Niedersachsen über Berlin bis nach Polen (Heilsberg/Ostpreußen) führen wird.“
Das Vorhaben überzeugte die Jury durch seine konzeptuelle Konsistenz, die ihren Ausgangspunkt in einer prägenden Familiengeschichte nimmt: der Flucht der Großmutter des Künstlers im Zweiten Weltkrieg durch die Tarnung als Zirkusangehörige und der daraus erwachsenen Geschichte der Familie als Schausteller in Niedersachsen. Ausgehend von einem Konvolut historischer Negative aus dem Familiennachlass vollzieht Hoheisel eine eindringliche historisch-psychologische Tiefenbohrung. Er nutzt diese biografischen Fakten als Katalysator für eine künstlerische Untersuchung über gesellschaftliche und psychologische Phänomene der Anpassung, der erzwungenen performativen Verwandlung und der Verfestigung von Schutzrollen zu dauerhaften Identitäten.
Timo Hoheisel beweist eine konsequente künstlerische Methodik und schlägt eine faszinierende Brücke zwischen der historischen Migrationsgeschichte Niedersachsens und gegenwärtigen europäischen Diskursen über Zugehörigkeit, Raum und Identität.“
Der Künstler erläutert sein Reisekonzept, das eng mit seiner persönlichen Familiengeschichte in Verbindung steht, wie folgt: „Mich interessiert der schleichende Prozess, bei dem das Spiel zur Existenz wird. Unterwegs arbeite ich prozessoffen. Ich dokumentiere heutige Leerstellen ehemaliger Transitorte und sammle Eindrücke, Fotografien, Archivmaterial sowie physische Proben, die für diesen Zustand des Übergangs stehen: abgenutzte Planenstoffe, Fragmente provisorischer Architekturen, Erden von Grenzlinien und Objekte an der Schnittstelle von Requisite und Gebrauchsgegenstand. Das Projekt nutzt die eigene Biografie, um universell erfahrbar zu machen, wie eine erzwungene Performance die Identität und den Raum ganzer Generationen bleibend formt.“
Im Anschluss an den Auslandsaufenthalt findet am 5. November 2027 die Verleihung des SPRENGEL PREIS und eine Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover statt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der das Werk des Preisträgers und seine Reise dokumentiert. Ausstellung und Katalog sowie ein Künstlerhonorar sind Teil des Stipendiums.
diums und werden ebenfalls aus Mitteln der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen finanziert.
Hintergrund
Der Kunstsammler Bernhard Sprengel lobte den Preis 1980 erstmals aus. Seit 1991 wird er von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung vergeben und seit 2021 gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Der Sprengel Preis zeichnet Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zu Niedersachsen aus, die mit ihrem Schaffen einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst leisten und die ein außergewöhnliches Konzept für ein künstlerisches Projekt in einem europäischen Land vorgelegt haben.
Über den Künstler
Timo Hoheisel studierte Biologie an der Technischen Universität Braunschweig, wechselte dann aber zum Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (2013 – 2019), das er als Meisterschüler von Prof. Corinna Schnitt abschloss. Im Jahr 2023 wurde er mit dem IDEE Stipendium der Braunschweigischen Stiftung ausgezeichnet, das mit einer Einzelausstellung im Kunstverein Braunschweig verbunden ist. Darüber hinaus waren seine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. in Deutschland, Serbien, Italien und den Niederlanden zu sehen.
Über die Jury
Die Auswahl des Preisträgers erfolgte auf Empfehlung einer Jury. Mitglieder sind:
- Johanna Adam, Kuratorin für Malerei und Skulptur, Sprengel Museum Hannover
- Stefan Becker, Vorsitzender des Vereins der Freunde des Sprengel Museum Hannover
- Detlef Lehmbruck, Leiter des Referats für Theater, Musik, Bildende Kunst und Literatur, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
- Catrin Mayer, Direktorin, Kunstverein Braunschweig
- Noor Mertens, Direktorin, Kunstmuseum Bochum
- Antje Schiffers, Künstlerin, Trägerin des SPRENGEL PREIS 2007
- Ulrike Schneider, Referentin für Bildende Kunst, Niedersächsische Sparkassenstiftung
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappem HaWo / Fotos: © Timo Hoheisel
