Vier Meter hohes Buntglasfenster

im Eingang von Schloss Derneburg


In der Eingangshalle des Kunstmuseum Schloss Derneburg entsteht die dauerhafte Installation eines fast vier Meter hohen Buntglasfensters des renommierten Künstlers Markus Lüpertz in der historischen Eingangshalle des Schlosses.


Lüpertzs Entwurf würdigt das künstlerische Erbe von Schloss Derneburg, vormals Wohn- und Arbeitsort seines Freundes Georg Baselitz, zugleich greift er das historische Erbe des Gebäudes als ehemaliges Kloster auf.


Diese einzigartige, ortsspezifische Installation ist Lüpertz‘ erste museale Auftragsarbeit aus Glas, die öffentlich zugänglich ist. Sie ist eine Hommage an die Landschaft und die historischen Monumente der Gemeinde Holle.


Dabei schöpft er nicht nur aus der modernen Kunstgeschichte, sondern auch aus der Antike, der Literatur und Poesie sowie der Musik und dem Theater.

Im Katholizismus aufgewachsen, führte ihn sein Kunststudium in Krefeld und Düsseldorf (1956-61) zu architektonischen Räumen, in denen durch Lichteinfall sich wandelnde Glasmalereien einzigartige spirituelle Begegnungen ermöglichten.


Der Auftrag für die Arbeit in Derneburg verbindet Lüpertz‘ vielfältigen Einflüsse zu einer Komposition, die zugleich eine Hommage an das umgebende Dorf darstellt. Die im klassischen mittelalterlichen Stil mit Bleirahmung gefertigte, mundgeblasene Bleiverglasung besteht aus 25 einzelnen Feldern und verbindet die historische Vergangenheit von Schloss Derneburg mit seiner heutigen Bestimmung als zeitgenössisches Kunstmuseum.


Lüpertz: „Schloss Derneburg war für mich immer ein ganz besonderer Ort. Nachdem Georg Baselitz es gekauft hatte, war ich sehr häufig dort und hatte zeitweise eine eigene Wohnung im Schloss. Wir haben dort gemeinsam gemalt und viele wunderschöne Abende verbracht. Auch die Landschaft rund um Derneburg hat mich beeindruckt. Das Glasfenster verstehe ich als Hommage an das Schloss, an seine besondere Geschichte und natürlich auch an die Zeit, in der Georg dort gelebt und gearbeitet hat. Zugleich bezieht es sich auf die heutige Bedeutung des Schlosses als Ort für Malerei und Bildhauerei.

Heute wird dort mit großem Engagement eine Kulturstätte von internationalem Rang aufgebaut. Dass sich Andy und Christine dazu entschlossen haben, gerade an diesem abgelegenen Ort ein bedeutendes Zentrum für Kunst und Kultur zu schaffen, ist für die gesamte Region ein großer Gewinn.“


Markus Lüpertz mit der Zeichnung des Fensters in seinem Studio in Berlin, 2024 Courtesy Hall Art Foundation, Foto: Andy Hall


Lüpertz bezieht sich seinen Werke detailgetreu auf lokale Orte wie das Mausoleum, das Schloss und die Teiche, die zu beiden Seiten des Laves-Pfads liegen. Eine mittelalterliche Rüstung, die eine von einer Schlange umschlungene Lanze hält, symbolisiert die Vergangenheit des Gebäudes als Militärkrankenhaus, und nimmt auch Bezug auf die Ritter, die auf den von der Grafenfamilie zu Münster in Auftrag gegebenen Buntglasfenstern im angrenzenden Rittersaal abgebildet sind.

Ganz oben in der Bildkomposition, unter einem Regenbogen, sind zwei in Weiß gekleidete, in die Ferne blickende Figuren zu sehen, deren Bedeutung nicht eindeutig ist. Möglicherweise verweisen sie auf die Besitzer des Schlosses der letzten hundert Jahre.

Vervollständigt wird das Werk durch vier farbenfrohe Ziertafeln, die in die Balkontüren eingelassen sind. Sie erinnern an Lüpertz’ Hingabe zur Abstraktion ebenso wie zur Figuration und verweisen auf die Nachkriegsdebatte, die seine Künstlergeneration kritisch prägte.


Markus Lüpertz, geb. 1941 in Liberec, lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin, realisiert seit drei Jahrzehnten öffentliche Glasmalerei-Aufträge und stellt seit 1973 regelmäßig aus. Zu den bedeutenden Glasmalerei-Arbeiten des Künstlers zählen Installationen in der Basilika St. Andreas in Köln, der Kapelle St. Martin in Koblenz, der Kirche St. Elisabeth in Bamberg und der Marktkirche in Hannover.


Zu den Ausstellungen seiner Werke zählen 'Lüpertz, A Lineage' im Musée Maillol (2025); 'Markus Lüpertz: Sins, Myths and Other Questions, Heredium, Daejeon (2024), im Palazzo Loredan in Venedig (2022), sowie im Musée des Beaux-Arts d’Orléans (2022).

Frühere Überblicksausstellungen fanden im Haus der Kunst, München, im Palazzo Loredan, Venedig, im Hirshhorn Museum und in der Phillips Collection, Washington, D.C., im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, in der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn; im Gemeentemuseum in Den Haag, und im Staatlichen Eremitage-Museum, St. Petersburg, statt.


Weitere Informationen und Tickets sind erhältlich auf sdmuseum.de,


TICKETOPTIONEN:

 

SKULPTURENPARK + NEBENGEBÄUDE - AUSSTELLUNGEN - Ohne Führung zugänglich, Eintritt: 14 € Regulär | 11 € ermäßigt |5 € Kunststudierende | 6 € ab 16 Uhr

 

AUSSTELLUNGEN IM SCHLOSS - Nur mit Führung zugänglich

Samstags und sonntags, 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr (90 Min.)

Begrenzte Plätze. Reservierung empfohlen, Kosten: 6 € pro Person zzgl. regulärem Schloss-Eintrittsticket

 

HISTORISCHE FÜHRUNG über das Außengelände

Samstags und sonntags, 13:30 Uhr (60 Min.), Begrenzte Plätze. Reservierung empfohlen.

Kosten: 4 € pro Person zzgl. Eintrittsticket

 


Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Foto: Andy Hall