Suchspiel nach Stupsnase

Nachwuchs bei den Zweifingerfaultieren im Erlebnis-Zoo Hannover

 

 Im Erlebnis-Zoo Hannover gibt es Nachwuchs bei den Zweifingerfaultieren (Choloepus didactylus), der erst auf den zweiten Blick entdeckt wird: Das Faultier-Jungtier liegt flach auf dem Bauch der Mutter, die schwarze Stupsnase ist nur zu sehen, wenn es den Kopf hebt.Es hat weit auseinanderstehende schwarze Knopfaugen und einen flachen Kopf mit winzigen Ohren, die irgendwie zu weit hinten sitzen. Die Stupsnase ist eine putzige Mischung aus Hundeschnauze und Kartoffel, die Arme sind extrem lang, die Haare borstig.

 

Der Nachwuchs der Faultiere „Aimara“ und „Artus“ kam am 7. September zur Welt. Die ersten Tage verbrachte der Winzling mit seiner Mutter im Innenbereich des „Zoologicums“. Doch jetzt hangelt sich „Aimara“ bei sonnigem Wetter wieder auf der Außenanlage von Baum zu Baum – und wer genau hinsieht, entdeckt den flachen behaarten Hügel sowie Arme und Beine, die ihren Körper umschlingen.

Faultier-Jungtiere wachsen auf dem Bauch der Mutter wie in einer natürlichen Wiege heran. Nach einer Tragzeit von 330-350 Tagen ist das Jungtier bei der Geburt bereits vollständig entwickelt: Es hat Fell, Krallen, und selbst alle Zähne sind bereits gewachsen. Auf dem Bauch der Mutter liegend wächst es immer weiter, bis es nach etwa 50 Tagen (!) zum ersten Mal die Umgebung erforscht.

Mit sechs bis zwölf Monaten wird das Jungtier langsam selbstständig. Aber erst nach etwa zweieinhalb Jahren hat es die Größe der Eltern erreicht – bei Familie Faultier dauert eben alles ein wenig länger!

 

Ob das Jungtier männlich oder weiblich ist, steht noch nicht fest, denn eine Geschlechtsbestimmung wäre nur bei einem medizinischen Check möglich – und der steht noch lange nicht an. Bis es Gewissheit gibt, ist der Nachwuchs einfach ein „Faultierchen“.

 

Hinweis: Die Faultiere sind bei warmem Wetter in ihrer Außenanlage: im Zoologicum zu sehen.

 

Steckbrief des Zweifingerfaultieres (Choloepus didactylus)

Lebensraum: Tropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas

Größe: 54 bis 88 cm Körperlänge

Gewicht: 4 bis 11 kg

Fressfeinde: Harpyien, Jaguare

Nahrung: Blätter, Blüten, Früchte, Insekten, also ein Allesfresser. Tragzeit: 330 bis 350 Tage

 

Faultiere sind perfekt an ihre Umgebung angepasst: Den Bauch nach oben, den Rücken nach unten gekehrt, ziehen sie durch die Baumwipfel. Ihr Scheitel verläuft auf der Mittellinie von Brust und Bauch. Sehr praktisch: So bleibt der Regen nicht im Fell hängen, sondern fließt einfach ab. Die schmalen Hände und Füße enden in langen Sichelkrallen, mit denen sich die Faultiere durch die Bäume hangeln. Sie sind sehr geschickte, wenn auch langsame Kletterer.

Nur alle drei bis sieben Tage verlassen sie den Schutz der Baumkronen, um Urin und Kot abzusetzen oder auf andere Bäume zu wechseln. 

 

Ihr Fell hat die Farbe der Umgebung angenommen, so dass das es für seine Feinde kaum zu entdecken ist. Durch die langsamen Bewegungen fallen die Tiere in den Wipfeln überhaupt nicht auf.

Die natürlichen Feinde wie Greifvögel und Raubkatzen sind für das Faultier längst nicht so gefährlich wie der Mensch. Der zerstört nämlich durch die Abholzung des Regenwaldes immer mehr die Lebensgrundlage der ruhigen Baumbewohner.


Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaW0 © Fotos c Matthias Falk, hannover-fotografie