Künstlerin Farzane Vaziritabar erhält den mit 120 000 Euro dotierten Hannes-Malte-Mahler-Kunstpreis

"Kunstpreis HANNES MALTE MAHLER - IT IS ART" wird alle vier Jahre vom gemeinnützigen Verein feinkunst e.V. in Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover vergeben.

 

  Farzane Vaziritabar hat den mit 120 000 Euro dotierten Hannes-Malte-Mahler-Kunstpreis am Wochenende überreicht bekommen, zum Beispiel für Ihre Menschenrechts-Frisbee vor dem Rathaus und ihre Liebesmalerei bei Wilhelm Busch oder die Trauerparty im Landtag.


  Was aber so richtig reinhaut: im Sprengel Museum der dicke, fette Kackehaufen! Sie fragt: Wo ist die Kacke am Dampfen? Und: Wirf Deine Meinung in den Sockel! Nichts wie hin und mithelfen, wo die Kacke so richtig am Dampfen ist! 

Museumschef Reinhard Spieler (rechts) ist gespannt, wie die Ausstellung  bei Museumsbesuchern ankommt!


Farzane Vaziritabar stellt Hannovers Mist-Stände  auf einem Sockel mit Kacke!

Farzane Vaziritabar hat ihren Farzaneplatz zum Kunstwerk erklärt. 


  Das sind nur vier von 36 Aktionen auf den "Colorful Threads" (Bunte Fäden), auf die die Künstlerin aufmerksam machen will. Das Kunstprojekt soll Hannover mit einem Netz aus Kunstorten überziehen, es stammt von der 1987 im Iran geborenen Künstlerin Farzane Vaziritabar.

  Dafür wurde sie am Wochenende mit dem Hannes-Malte-Mahler Kunstpreis ausgezeichnet. Der Preis von 120 000 Euro ist ein fettes Pfund (Preisgeld 15 000 Euro, plus Ausstellungsbudget) und er zählt zu den am höchsten ausgestatteten deutschen Kunstpreisen. Er wird nur alle vier Jahre vom hannoverschen Verein "feinkunst" vergeben, der sich dem Nachlass des vor zehn Jahren tödlich verunglückten Künstler Hannes Malte Mahler widmet.

Die Künstlerin nimmt den Preis von 120 000 Euro für ihre  Aufsehen erregende  Ausstellung von Oliver Rohde (rechts) in Empfang und Museumsdirektor Reinhard Spieler (links) ist erfreut über die Würdigung der Arbeiten und Aktionen von Farzane Vaziritabar.


  Farzane Vaziritabar nimmt mit ihre Arbeit Bezug auf Hannovers "Roten Faden", eine touristische Leitlinie, die zu Sehenswürdigkeiten der Innenstadt führt. Die Künstlerin greift dieses Konzept auf und transformiert es zu einem Instrument der Neuorientierung. Statt einer klassischen Besucherroute versteht sie den "Roten Faden" als Einladung, vertraute wie verborgene Orte zu entdecken.

  Im Zentrum ihres Projekts steht die Frage, wie urbane Narrative entstehen und welche Geschichten im öffentlichen Raum sichtbar werden - beziehungsweise verborgen bleiben.

Farzane Vaziritabar in ihrer Ausstellung


  Unter dem Titel "Colorful Threads. From Line to Action" präsentiert das Sprengel Museum Hannover zusätzlich zur Ausstellung im "Sprengel Focus" eine Installation von Vaziritabars an der Museumsfassade. Die mit zahlreichen Schwimmringen besetzte Wand erinnert an das Werk "Big Bang Constraction" von Hannes Malte Mahler (1968-2016).


  Und auch in der Sammlungspräsentation im Sprengel Museum "Mein lieber Schwan!" sind Arbeiten der iranischen Künstlerin zu sehen: Ihre "Papas" inszeniert als Gegenstück zu den "Nanas" von Niki de Saint Phalle, und sie greifen die Namen der Bauhaus-Direktoren auf und hinterfragen zugleich patriarchale Strukturen innerhalb der Kunstgschichte und ihrer Institutionen.

  „Die Arbeiten von Farzane Vaziritabar entfalten ihre Wirkung nicht im Rückzug ins Ästhetische, sondern im Zugriff auf den öffentlichen Raum und seine politischen Einschreibungen. Die Künstlerin macht sichtbar, wie sehr Wahrnehmung von Stadt eine Frage von Macht, Auswahl und Auslassung ist", findet Reinhard Spieler, Direktor Sprengel Museum Hannover und Jurymitglied.

  Und Oliver Rohde, Vorsitzender von feinkunst e.V., sagte: "Farzane Vaziritabar lädt dazu ein, Hannover neu zu erleben und gewohnte Perspektiven kritisch zu hinterfragen. Ihre Arbeiten richten sich nicht an ein passives Publikum, sondern fordern aktive Teilnahme, Auseinandersetzung und Mitdenken ein. So entsteht ein gemeinsamer Raum, in dem Stadt neu gedacht werden kann".

 

Die Ausstellung im Sprengel Museum läuft bis zum 27. September. Über die einzelnen Projekte informiert die Homepage colorfulthreads.de.

 

Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie