Kulturminister Falko Mohrs verleiht
Literaturpreis Niedersachsen
Kulturminister Falko Mohrs hat am Donnerstag, 24. September 2026, die Schriftstellerin Katerina Poladjan und den Schriftsteller Henrik Szántó mit dem Niedersächsischen Literaturpreis 2026 ausgezeichnet. Der Literaturpreis des Landes Niedersachsen zu Ehren des Schriftstellers Nicolas Born (1937-1979) würdigt herausragende Autorinnen und Autoren, die sich wie der Namensgeber mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzen.
„Literatur eröffnet Räume, in denen wir über unsere Gegenwart neu nachdenken können. Katerina Poladjan und Henrik Szántó erzählen von Menschen, die ihren Platz in einer von Geschichte, Herkunft und gesellschaftlichen Veränderungen geprägten Welt suchen. Ihre Texte machen sichtbar, was uns als Gesellschaft bewegt, und sie laden dazu ein, vertraute Perspektiven zu hinterfragen. Solche Stimmen brauchen wir für einen lebendigen kulturellen und demokratischen Diskurs“, sagte Falko Mohrs
Katerina Poladjan (links) erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis,. Der Nicolas-Born-Debütpreis in Höhe von 10.000 Euro ging an Henrik Szántó (Bild rechts).
Die Auszeichnungen wurden auf Empfehlung der Niedersächsischen Literaturkommission vergeben.
Nicolas-Born-Preis für Katerina Poladjan
Die Schriftstellerin Katerina Poladjan, 1971 in Moskau geboren und in Deutschland aufgewachsen, erhält den Nicolas-Born-Preis für ihr bisheriges literarisches Schaffen. Nach einem Studium der Angewandten Kulturwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg sowie der Darstellenden Kunst in München veröffentlichte sie neben Romanen auch Essays und Theatertexte. Zu ihren wichtigsten Werken zählen In einer Nacht, woanders, Vielleicht Marseille, Hier sind Löwen, Zukunftsmusik und Goldstrand. Für den Roman Goldstrand wurde sie 2026 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.
In ihren Romanen verbindet Poladjan persönliche Lebensgeschichten mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke erzählen von Migration, Erinnerung und Herkunft, vom Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen und von den Spuren historischer Ereignisse im Alltag der Menschen. Dabei zeichnet sich ihr Stil durch sprachliche Präzision, feine Beobachtungen und große erzählerische Dichte aus. Die Niedersächsische Literaturkommission würdigt insbesondere Poladjans Fähigkeit, historische Tiefe, literarischen Anspruch und hohe Lesbarkeit miteinander zu verbinden. In ihrer Begründung heißt es: „In ihren bemerkenswert knappen Romanen (In einer Nacht, woanders; Vielleicht Marseille; Hier sind Löwen; Zukunftsmusik; Goldstrand) erzählt Katerina Poladjan Geschichte als Geschichten in einem Ensemble von Figuren. Hier dominieren nicht Einzelne, sondern im Zusammenspiel ergeben sich soziale, auch politische Panoramen. Selten gingen ein ernsthafter Kunstanspruch und allerbeste Lesbarkeit, historische Tiefe, empathische Erkenntnis über die condition humaine und ein leichtfüßiger Humor so gut zusammen wie im Werk Katerina Poladjans.“
Nicolas-Born-Debütpreis für Henrik Szántó
Mit dem Nicolas-Born-Debütpreis wird der Schriftsteller Henrik Szántó ausgezeichnet. Der finnisch-britische Autor mit ungarischen Wurzeln begann seinen literarischen Weg über den Poetry Slam und arbeitet heute zudem als Moderator von Literaturveranstaltungen sowie als Referent für kreatives Schreiben. Bereits 2022 erhielt er ein Arbeitsstipendium des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.
In seinen literarischen Arbeiten beschäftigt sich Szántó mit Erinnerungskultur sowie sprachlicher und kultureller Vielfalt. Besonders überzeugte die Jury sein jüngster Roman Treppe aus Papier, in dem Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander verwoben werden.
Die Niedersächsische Literaturkommission begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Henrik Szántó erhält den Nicolas Born Debütpreis des Landes Niedersachsen 2026 für seine vielfältigen literarischen Texte, insbesondere für sein jüngstes Werk Treppe aus Papier. Der geschickt strukturierte Roman, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart überlagern, spricht von Verantwortung und Gewalt, von der ‚Banalität des Bösen‘ (H. Arendt) in Vergangenheit und Gegenwart, doch genauso von Überleben, Schutz und Hinwendung zum anderen. Henrik Szántó zeigt hier nicht nur die geschärfte Wahrnehmung eines Autors der jungen Generation auf die jüngere deutsche Geschichte, er erweist sich auch als sehr talentierter Erzähler.“

Henrik Szántó und Katerina Poladjan freuen sich über die Würdigung ihrer Arbeiten durch die Auszeichnung, übergeben von Kulturminister Falko Mohrs.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / © Bildnachweis MWK/Moritz Küstner


