Krebs erschnüffeln: Projekt OnkoDog gestartet

Können Hunde Krebserkrankungen erschnüffeln?

 

Hunde sind stark, ganz besonders beim Riechen! Mit ihrem außergewöhnlichen Geruchssinn nehmen sie kleinste Geruchsnuancen wahr. Die Nase ist ihr wichtigstes Sinnesorgan, und vermutlich erleben Hunde ihre Umwelt deshalb ganz anders als wir Menschen.

  Das machen wir uns zunutze: Als Drogen-und  Sprengstoffspür- und als Jagdhunde. In der Medizin finden Spürhunde immer mehr Beachtung: Als Ergänzung zu technischen Verfahren wie der Gaschromatographie oder elektronischen Sensoren („eNose“). Dass Hunde hier ganz vorne mitspielen, hat die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) bereits 2020 gezeigt: Trainierte Hunde konnten Covidinfektionen beim Menschen erkennen. Das Besondere daran: Sie taten das in Echtzeit und häufig zuverlässiger als die damaligen Antigen-Schnelltests.

 

Der Grund dafür: Krankheiten riechen, veränderte Stoffwechselprozesse setzen eine spezifische Mischung flüchtiger organischer Verbindungen frei, die wie ein geruchlicher Fingerabdruck wirkt. Ist ein Hund auf diesen Fingerabdruck trainiert, erkennt er ihn zuverlässig wieder, auch in Proben von Menschen, die er nie zuvor gerochen hat. Das klappt nicht nur bei Infektionskrankheiten, sie können auch Unterzuckerungen bei Diabetes anzeigen, und es gibt sogar Hinweise, dass sie vor epileptischen Anfällen warnen können.

 

Das von der NBank mit 290.000 Euro geförderte, zweijährige Projekt „OnkoDog“ nutzt dieses Talent von Hunden nun für die Erkennung von Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts. Prostatakrebs ist mit rund 80.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebsart bei Männern und gängige Früherkennungsverfahren wie der PSA-Test sind umstritten.


Beteiligt sind neben der TiHo zwei Partner: die AWiAS Aviation Services GmbH, ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Ausbildung von Spürhunden, und Sindojan Automotivedas ein Technologieunternehmen  mit Schwerpunkt Softwareentwicklung. Im Projekt wird das Team um Sebastian Meller und Professor Holger Volk medizinische Spürhunde ausbilden, die Prostata-, Blasen- und Nierenkrebs anhand von Urinproben erkennen sollen. Ergänzend wird das Team die Geruchsprofile der Proben im Labor untersuchen, um besser zu verstehen, worauf die Hunde anspringen. „Unsere Erfahrungen aus der COVID-19-Forschung haben gezeigt, wie präzise Hunde Erkrankungen am Geruch erkennen können“, erklärt Meller. „Nun wollen wir herausfinden, ob sie auch in der Krebsfrüherkennung eine verlässliche Unterstützung sein können und der Medizin frühzeitig Hinweise liefern können, wo genauer hingeschaut werden sollte.“


Der Fokus liegt auf der Gesundheitsvorsorge in Unternehmen: diese sollen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine einfache Vorsorgeuntersuchung anbieten können: diese geben eine Urinprobe ab, die von den Spürhunden untersucht wird.

Ob das im Alltag funktioniert, wird in einem Betrieb unter realen Bedingungen erprobt. Eine eigens entwickelte Software anonymisiert dafür die Proben und ordnet auffällige Befunde den jeweiligen Arbeitsbereichen zu. So lassen sich mögliche physikalische, biologische oder chemische Belastungen am Arbeitsplatz erkennen und gezielt Gegenmaßnahmen ergriffen werden..

 

Selbstverständlich soll der Hund dabei keine ärztliche Diagnose ersetzen. Seine Stärke liegt gerade in der möglichen Früherkennung: Gibt er frühzeitig einen Hinweis, können Betroffene rechtzeitig weiter untersucht und behandelt werden.

 

Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Foto ©  Sigrid Lappe