Farbenprächtige Seidenschwänze erobern Norddeutschland
Im Landkreis Celle wurde eine Gruppe von Seidenschwänzen beobachtet
In den letzten Wochen wurde eine Gruppe von Seidenschwänzen im Landkreis Celle beobachtet. Das ist nach Meinung von Experten ein außergewöhnliches Naturphänomen. Eigentlich leben die Seidenschwänze in der russischen Tundra sowie anderen nordischen Regionen.
Wenn die Vögel in ihren nördlichen Heimatgefilden nicht genügend Nahrung finden, weichen sie auch schon mal nach Mitteleuropa aus und treten in großer Zahl auf. Fachleute bezeichnen das dann als Invasionsjahre. In solchen Wintern können dann Tausende Vögel bis zu uns nach Deutschland ziehen.
Die zutraulichen und farbenprächtigen Seidenschwänze sind meist in kleinen Gruppen unterwegs und halten sich gerne in Sträuchern oder Bäumen auf. Hier finden sie ihre Lieblingsspeise: Beeren und Knospen.
Ihren Namen verdanken die Seidenschwänze ihrem auffallend weichen und seidigen Gefieder. Sie sehen einfach prächtig aus!
Im Mittelalter war das plötzliche Auftreten der fremden Vogelart unerklärlich. Denn der Seidenschwanz galt zu damaliger Zeit als sogenannter "Pestvogel" und wurde als Unheilbringer gefürchtet - in ihm sah man einen Vorboten von Kriegen, schweren Krankheiten und Hungersnöten.
Doch heute weiß man, dass Nahrungsmangel die Tiere dazu trieb, ihre Heimat zu verlassen und in Mitteleuropa vorübergehend ein zuhause zu finden. Seidenschwänze fressen sehr gerne Beeren, diese finden sie derzeit noch an Sanddorn, Weißdorn, Eberesche oder Liguster. Auch verschmähen sie kein Obst, wie zum Beispiel Äpfel, die helfen den Tieren dabei, den Winter zu überstehen.
Akustisch machen sich Seidenschwänze durch einen hohen, feinen und glockenähnlichen Gesang bemerkbar. Denn ihr klarer, kristallener Ruf klingt wie ein langgezogenes "Sirrr". Bei Gefahr warnen sich die Vögel zudem mit lautem Schnabelklappern.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie
