Alles nicht so einfach bei Volkswagen Nutzfahrzeuge

Gerüchte über Sparprogramme überschatten Betriebsversammlung

 

  Stets wiederkehrende Gerüchte um Standortschließungen und Sparprogramme: Was ist da los? Der Volkswagenkonzern kommt einfach nicht zur Ruhe. Vor kurzem hielten Volkswagen-Konzernvorstände einer internen Umfrage zufolge den Autobauer aus Wolfsburg offenbar für existenzbedroht! Natürlich ist die Verunsicherung im Nutzfahrzeug-Werk in Hannover-Stöcken entsprechend. Es sei eines von vier Werken, die als zu teuer gelten, heißt es.

  Wen wundert es: dass bei der Betriebsversammlung am 17. Juni die aktuelle Situation des Konzerns im Vordergrund stand - und die Auswirkungen auf den Standort Hannover. „Die Kollegen sind besorgt", äußert sich der Betriebsratsvorsitzende Stavros Christidis. Es ist doch klar, dass wird nach dem Feierabend auf die VW-Krise angesprochen werden. Denn alle lesen die negativen Schlagzeilen. Das macht etwas mit den Leuten und belastet zusätzlich."

  Der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall wurden zuletzt mit Blick auf Spekulationen um mögliche Schließungen von VW-Werken äußerst deutlich: „Werkschließungen wird es mit uns nicht geben. Natürlich bleiben alle Standorte erhalten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Betriebsratschefin Daniela Cavallo, der IG-Metall-Vorsitzenden Christiane Brenner und dem niedersächsischen IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.

  Christidis kritisiert im Zusammenhang mit den immer wieder neuen Schlagzeilen auch die Informationspolitik des Konzerns. Vieles würden Mitarbeiter erst aus den Medien erfahren - und das trägt zur Verunsicherung bei.

  Jüngst gab es aber gute Nachrichten für den Nutzfahrzeug-Standort Hannover: Seit Mitte April arbeiten die Beschäftigten im Werk in der Landeshauptstadt wieder 37,5 Stunden pro Woche. Auch zusätzliche Schichten am Samstag waren nötig. Grund dafür: Die Auftragsbücher für die Modelle ID. Buzz und Multivan sind etwas voller als in den vergangenen Quartalen.

  Allerdings ist die Situation bei den Kollegen in Osnabrück eine andere. Die Nachfrage nach dem dort gebauten T-Roc-Cabrio geht zurück und das sorgt im dritten Quartal für zusätzlichen Werksurlaub und Schließtage.

  Der Standort in Hannover könnte mehr: die eine oder andere Halle steht leer und neue Modelle gibt es nicht vor Anfang der 2030er-Jahre, durch diese „Durststrecke" muss der Standort sich auf die Zukunft fokussieren.

  Hoffnung setzt Christidis in die Aufwertung insbesondere des Multivans, der in Hannover produziert wird. „Die Chancen sind gut, dass das Volumen dann noch einmal steigt. Wir müssen mit den aktuellen Produkten, die aufgewertet werden, die nächsten Jahre gut überstehen." Je höher die Auslastung, desto niedriger werden auch die Fabrikkosten. „Volumen ist hier ein großer Hebel", so der Betriebsratsvorsitzende.

  Trotz der Unsicherheiten sei die Belegschaft hoch motiviert und bereit, an den notwendigen Veränderungen zu arbeiten. „Wir haben eine schwierige Zeit, aber wir kämpfen."

  Christidis hat einen Appell an Stefan Mecha, CEO von Volkswagen Nutzfahrzeuge mit auf den Weg gegeben, wenn in Wolfsburg mal wieder über Standorte diskutiert werde: "Hände weg von Hannover."

„Wir haben genug Kapazitäten, die noch nicht genutzt werden. Wir müssen uns besinnen auf das, was wir können!"

 

Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Foto © Matthias Falk, hannove_fotografie