Rebhühner und Fasane neu im Tiergarten
Heimische Tierarten kommen zurück
Der Tiergarten Hannover setzt ein weiteres Zeichen für den regionalen Artenschutz: Mit der Aufnahme von Rebhühnern und Fasanen in der Vogelvoliere möchte der städtische Forstbetrieb nicht nur Besucherinnen und Besucher für eine bedrohte heimische Vogelart sensibilisieren, sondern auch aktiv zum Erhalt der Arten beitragen.

Das Rebhuhn (Perdix perdix) gehört zu den charakteristischen Vogelarten unserer Kulturlandschaft. Mit seinem unauffälligen braun-grauen Gefieder, dem rostfarbenen Gesicht und dem markanten hufeisenförmigen Fleck auf der Brust ist es perfekt an ein Leben in Feldern, Wiesen und an Ackerrändern angepasst. Rebhühner leben überwiegend am Boden, bilden außerhalb der Brutzeit kleine Familienverbände und sind auf strukturreiche Landschaften mit ausreichend Deckung und Nahrung angewiesen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Rebhuhn in weiten Teilen Deutschlands häufig zu finden - auch auf dem Speiseplan!.
Heute zählt es zu den am stärksten bedrohten Vogelarten der Agrarlandschaft. Seit den 1980er-Jahren sind die Bestände in Deutschland um mehr als 80 bis 90 Prozent zurückgegangen!
Hauptursachen hierfür sind zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, Verlust von Brachen, Hecken und Ackerrandstreifen sowie der Rückgang der Anzahl von Insekten, die besonders für die Aufzucht der Küken lebenswichtig sind.
Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und damit verbundene Verarmung der Artenvielfalt erschweren das Überleben der Tiere.
Mit der Haltung von Rebhühnern verfolgt der Tiergarten Hannover mehrere Ziele. Zum einen sollen die Tiere als Botschafter ihrer wildlebenden Art dienen und die Bedeutung artenreicher Kulturlandschaften näherbringen. Umweltbildung und die Vermittlung von Wissen über heimische Tierarten sind dabei zentrale Bestandteile des Projektes.
Auch engagiert sich der Tiergarten aktiv im Artenschutz. Langfristig ist geplant, Jungtiere nach erfolgreicher Nachzucht für geeignete Wiederansiedlungs- und Auswilderungsprojekte bereitzustellen. Ziel ist es, stark geschrumpfte Bestände in Hannover und Region zu stärken und die Rückkehr dieser faszinierenden Vogelart in die heimische Landschaft zu unterstützen.
Mit den Rebhühnern zeigt die Landeshauptstadt, dass Artenschutz nicht nur exotische Tiere betrifft, sondern auch Arten, die einst selbstverständlich zu unserer Landschaft gehörten.
Die Aufnahme der Rebhühner ist damit ein wichtiger Baustein im Engagement des Tiergartens für den regionalen Naturschutz. Gemeinsam mit Partnerinnenund aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd sollen langfristig Lebensräume verbessert und neue Perspektiven für die Rückkehr des Rebhuhns geschaffen werden.

Im zweiten Bereich der Tiergarten-Voliere sind Fasane (Phasianus colchicus) eingezogen. Der Fasan lebt vor allem auf Feldern, Wiesen und an Waldrändern. Er ernährt sich von Körnern, Insekten und kleinen Pflanzen. Auch Fasane sind in Deutschland seltener geworden. Sie verbringen die meiste Zeit am Boden und fliegen nur bei Gefahr auf. Hecken und Brachen, die Schutz und Nahrung bieten. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert das Nahrungsangebot, besonders für die Küken. Zusätzlich machen ihnen Fressfeinde und ungünstige Wetterbedingungen während der Brutzeit zu schaffen.
Nach der Ziertauben- und Hühnerhaltung wird der Tiergarten mit dem Einzug von echten Wildvögeln in der Voliere wieder seinem eigentlichen Charakter als Wildpark gerecht.
Der Tiergarten ist ganzjährig geöffnet und kann ohne Eintrittsgebühr besucht werden.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos: Matthias Falk, hannover_fotografie
