„Strahlende Zeiten!“
Geschichte des Atomzeitalters von Röntgen bis Reagan
Neue Ausstellung im Bomann-Museum Celle
Am 27. Juni um 18 Uhr wird im Bomann-Museum Celle die Ausstellung „Strahlende Zeiten! Die Geschichte des Atomzeitalters von Röntgen bis Reagan“ eröffnet.
Wahrgenommen werden die Entdeckungen und Anwendungen der Atomforschung zwischen Verharmlosung und Verteufelung. Dies versucht die Ausstellung aufzubrechen, indem sie Fluch und Segen der Atomforschung aufzeigt, Legenden entlarvt, mit Unbekanntem überrascht und liebgewordene Gewissheiten in Frage stellt.
Der Zeitbogen reicht von der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 bis zur Neutronenbombe Anfang der 1980er Jahre.
Anknüpfungspunkt für das Bomann-Museum ist die Verlagerung der deutschen Atomforschung aufgrund der Bombardements der Alliierten dezentral auf ländliche Regionen. Im Herbst 1944 wurden zwei Forschungsabteilungen des deutschen „Uranvereins“ nach Celle ausgelagert. Eine Gruppe leitete Henry Albers, Professor für Chemie an der Technischen Universität Danzig. Er und sein Team untersuchten die Eigenschaften flüchtiger Uranverbindungen. Im August 1944 zogen sie in das Bieneninstitut.

Eine andere Gruppe unter der Leitung des Hamburger Physikochemikers Paul Harteck und seines Assistenten Wilhelm Groth arbeitete an der Anreicherung von Uran-235 mit Hilfe von Ultrazentrifugen. Sie fanden im Herbst 1944 in einem Nebengebäude der "Mitteldeutschen Spinnhütte" Unterschlupf.
Kaum eine Entdeckung fand so schnell weltweite Verbreitung und Anwendungen wie die Röntgenstrahlen. Doch schon bald zeigte sich, dass ein allzu sorgloser Umgang mit den neuen „Wunderstrahlen“ auch Gefahren mit sich brachte. Gleiches gilt für das Radium, das in den 1920er und 1930er Jahren für Heilkraft und Vitalität stand und sogar in die Kosmetik Einzug hielt.
Die Janusköpfigkeit der Forschung wird wohl nirgendwo deutlicher als bei der Kernforschung im Zweiten Weltkrieg, die von Anfang an mit militärischen Anwendungen lockte und am Ende in die atomaren Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki führte.

Die 1950er und 1960er Jahre waren von einer Euphorie über die zukünftigen Möglichkeiten der zivilen Nutzung der Kernenergie geprägt. Gleichzeitig wuchs die Angst vor immer mächtigeren Bomben und den Folgen des ungezügelten nuklearen Wettrüstens. In Kontrast dazu stand die Trivialisierung der Atombombe in der Spielwarenindustrie oder im Zivilschutz.

Die Exponate stammen bis auf wenige Ausnahmen aus der Sammlung des Celler Diplomphysikers und Wissenschaftshistorikers Dr. Michael Schaaf.
Gefördert wird die Ausstellung vom Lüneburgischen Landschaftsverband aus Mitteln zur regionalen Kulturförderung, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der Friederike und Werner Jahnstiftung, Hamburg.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst Vorträge von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Dokumentarfilm „Väter der 1000 Sonnen“ sowie öffentlichen Führungen. Der Flyer zum Programm ist im Museum erhältlich.
Laufzeit der Ausstellung: 28. Juni 2026 bis 29. März 2027
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo



