Nach 18 Jahren sind endlich unsere Riesenschildkröten wieder im Erlebnis-Zoo Hannover zurück
Die vier Seychellen-Riesenschildkröten hatten Asyl in Hamburg gefunden
Nach 18 Jahren sind die vier Seychellen-Riesenschildkröten endlich zurückgekehrt. Im Erlebnis-Zoo Hannover war die Freude entsprechend groß! Ihre Ankunft am Donnerstag hatte allerdings wenig von einem stillen Zurückkommen, dafür umso mehr von einer logistischen Meisterleistung, denn bis zu sechs Personen pro Schildkröte waren nötig, um sie in ihr neues Zuhause, das Schildkrötenhaus im Zoo Hannover zu tragen.
Im Hamburger Tierpark Hagenbeck warteten Romina, (57 Jahre und 90 Kilo leicht), Cassiopeia (30 Jahre, 100 Kilo leicht), Leopold - mit 82 Jahren und 190 Kilo der Schwerste und Älteste im Quartett und Bert (80 Jahre, 160 Kilo leicht). Das sind vier Tiere mit entsprechender Vita und gewichtige Argumente dafür, dass ein Zoo einen Umzug von Riesenschildkröten besser nicht allein plant.
Für die vier Seychellen-Riesen wurde der Transporter sorgfältige vorbereitet: Der Boden des Transporters wurde mit einer Gummimatte ausgelegt, damit von unten keine Kälte durchzieht, erklärte Zoo-Kurator Robin Walb, verantwortlich für den schwergewichtigen Tiertransport. Gebaut wurden vier große, extra auf die Umfänge der Tiere abgestimmte Holzkisten, die mit reichlich Strohballen ausgelegt für einen stabilen und sicheren Transport von Hamburg nach Hannover sorgten.
„Auch waren die Tiere während der gesamten Fahrt ruhig", so Zoo-Kurator Walb. In Hannover wurden die Tiere von zwölf Azubis in ihr neues Gehege transportiert. Ein wirklicher Kraftakt für die Azubis des Erlebnis-Zoo Hannover.
"Die Rückkehr der Riesenschildkröten war und ist für uns eine echte Herzensangelegenheit", sagte Zoogeschäftsführer Andreas M. Casdprff, "es freut uns im wahrsten Sinne riesig, dass die Schildkröten jetzt wieder hier sind. Für das gesamte Zoo-Team ist das ein ganz besonderer Moment."
Hier werden sich die Riesenschildkröten wohlfühlen: Das neue Reptilium, links von aussen, rechts innen.

Bert und Romina fühlen sich offensichtlich wohl!
Die Riesenchildkröten gucken neugierig und vielleicht auch skeptisch - ob sie spüren, daß sie willkommen sind?

Cassiopeia, Bert und Romina (von links) werden sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen und hoffentlich für Nachwuchs sorgen.
Denn für "Cassiopeia", "Romina", "Bert", "Leopold" und ihre erhofften Nachkommen hat der Zoo ein gläsernes Warmhaus gebaut, das die Bedingungen ihres natürlichen Lebensraumes nachempfindet: 26 bis 30 Grad Celsius, 60 bis 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, Sandflächen, Bademöglichkeiten.
Das rund 240 Quadratmeter große Haus mit Natursteinboden bietet den vier Riesen ein großes Badebecken und Sandbäder. Bepflanzte Inseln tauchen das Haus in tropisches Grün. Eine Fußbodenheizung, UV-Leuchten und Infrarotstrahler sowie eine Luftbefeuchtungsanlage schaffen das optimale Tropenklima für die vom Aussterben bedrohten Schildkröten.
Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) stuft den Bestand der Seychellen- oder auch Aldabra-Riesen-schildkröten als gefährdet ein. Ihr Lebensraum im Indischen Ozean ist heute nahezu ausschließlich auf das Aldabra-Atoll beschränkt. Klimawandel sowie invasive Arten setzen dem Bestand zusätzlich zu.
"Wir möchten aktiv zum Erhalt der bedrohten Art beitragen", erklärte Casdorff. Daher gibt es in dem neuen Warmhaus auch zwei spezielle Plätze - einen Sandhügel und ein Sandbecken, mit Fußbodenheizung gewärmt -, die für die Ei-Ablage vorgesehen sind. Dort können die Weibchen Gruben graben, um die 10-25 kugelförmigen Eier pro Gelege mit dem wärmenden Sand zu bedecken.
Zoo-Gäste haben mit großer Kreativität und bei der Realisierung der Rückkehr der Riesenschildkröten mitgewirkt. Und 46 000 Euro sind durch kleine und große Spenden zusammen-gekommen. Durch gestiegene Baukosten und mehrfacher Umplanung, war diese Unterstützung sehr berührend: "Die Menschen haben uns gezeigt, wie sehr ihnen der Zoo - und die Schildkröten - am Herzen liegen", so Casdorff, "das hat uns darin bestärkt, trotz aller Widrigkeiten an diesem Projekt festzuhalten."
Jens Palandt, Erster Regionsrat und Aufsichtsratsvorsitzender des Zoos, erklärte: "Das neue Warmhaus bietet beste Voraus-setzungen für die Haltung und Zucht der Riesenschildkröten. Damit kann der Zoo zukünftig einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser beeindruckenden Art leisten. Gleichzeit schafft der Bau ein weiteres Highlight im Zoo und macht einen Besuch noch attraktiver." Der Bau wurde von der Region mit einem Investitionszuschuss in Höhe von 669 000 Euro gefördert,
weitere 950 000 Euro muss der Zoo selbst finanzieren.
Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo/ Fotos Erlebnis-Zoo Hannover



