Die Wasserbüffel sind da!


Auf dem Landschaftsschutzgebiet „Großen Koppel“  zwischen Leine und Ernst-August-Kanal in Herrenhausen sind vier Wasserbüffel eingezogen. Und weitere "Bewohner" werden in den kommenden Tagen folgen.

Die sogenannte „Große Koppel“ ist eine Historische Weidelandschaft. Ehemals weideten hier auf 15 ha die königlichen Pferde aus Herrenhausen. Die Koppelstrukturen von damals sind immer noch erkennbar in Form von Baumreihen.

Die Koppel liegt heute im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Leineaue", einem Landschaftsschutzgebiet zwischen Hannover und Stöckendrebber.

Ziel ist, daß in diesem Gebiet eine naturnahe und dynamische Aue mit den typischen Tier- und Pflanzenarten entsteht.

Die Wasserbüffel sind da und wurden mit Spannung erwartet.


Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) setzt erstmals Wasserbüffel zur Pflege eines innerstädtischen Landschaftsschutzgebietes ein. Das ist für eine Großstadt ungewöhnlich, zeigt aber, dass der Einsatz für Biodiversität und Landschaftsschutz auch in überwiegend urbanen Räumen möglich ist.

Die robusten Tiere sorgen für mehr Artenvielfalt und eine wertvolle Auenlandschaft zwischen Westschnellweg und den Herrenhäuser Gärten, das ist Umweltschutz und Erhaltung der Natur!

Die Tiere gehen auf Erkundungsjagd in ihrem neuen Zuhause - und sie sind offensichtlich zufrieden!


Entwicklung des Projektes 

Die Begutachtung des Grünlandes auf der „Großen Koppel“ ergab eine wenig artenreiche Zusammensetzung mit geringer Strukturvielfalt. Jetzt ist aus der bislang ausschließlich gemähten Fläche in der Leineaue mit wechselnden Wasserständen eine Fläche für Wasserbüffel als Weidetiere mit einem Pächter entstanden, der auch schon anderenorts Erfahrung mit solchen Tieren gesammelt hat.

Damit eine Beweidung mit Wasserbüffeln möglich ist, wird mindestens ein kleineres Gewässer  zudem eine sichere Einzäunung benötigt,. Diese Voraussetzungen wurden zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 durch den Forstbetrieb des Fachbereiches Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover (LHH) und dem Pächter umgesetzt.


Finanziert wurde das Projekt zum Teil aus Eigenmitteln der LHH, die Anlage der Gewässer wurde mit dem Sparkassenbrief N+ durch die Sparkasse Hannover gefördert.


Solche Flächen haben nicht nur eine große Bedeutung für die Landwirtschaft, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität und den Klima- und Hochwasserschutz.

Die LHH übernimmt Verantwortung als Flächeneigentümerin, Sie hat sich inhaltliche Ziele im Agrikulturprogramm, in der Biodiversitätsstrategie „Mehr Natur in der Stadt“ und in der Deklaration zum Insektenbündnis Hannover gesteckt.


Die Pflege und Unterhaltung der Grünland-Flächen in den Landschaftsräumen wird maßgeblich durch das Sachgebiet Landschaftsräume und Naturschutz im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün gesteuert.


Win-Win-Situation: Wasserbüffel als Landschaftspfleger

Je nach Standort eignen sich unterschiedliche Weidetiere für eine Beweidung. Insbesondere auf feuchten oder nassen Böden bieten Wasserbüffel einige Vorteile gegenüber „klassischen“ Rinderrassen: Sie sind an diese Standorte angepasst (z.B. breite Klauen) und unempfindlich gegenüber Nässe.

Es sind robuste Tiere, die auch weniger gehaltvolles Futter wie Schilf und andere Röhrichtvegetation gut verwerten können. Auch Gehölze werden gern verspeist! Wasserbüffel suhlen sich gern in Gewässern oder an feuchten Bodenstellen und halten dadurch die Gewässer offen und schaffen neue Kleinstgewässer.

Wasserbüffel sind weltweit als „Landschaftspfleger auf vier Beinen“ bekannt. Sie halten Feuchtflächen offen, fressen Gehölz- und Schilfaufwuchs zurück und schaffen durch Trittspuren und Suhlen eine Strukturvielfalt, die vielen Arten zugutekommt.

Offene Bodenstellen, kleine Wasserzonen und lückenhafte Vegetation bieten vor allem für Amphibien, Insekten und für bodenbrütende Vögel ideale Bedingungen. Weil die Tiere auch in sumpfigem Gelände problemlos unterwegs sind, entstehen Mikrohabitate, die herkömmliche Weidetiere nicht erreichen. Ihre hohe Toleranz gegenüber Hitze und Nässe macht sie zu idealen Partnern für naturnahe Pflege im Klimawandel.


Ute Micha, PreDiNo / Sigrid Lappe, HaWo / Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie